Retro Review: Max Payne

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Vor über zehn Jahren lernten wir ihn kennen. Sein Name ist Max Payne. Seine Geschichte könnte tragischer nicht sein. Auf den verschneiten Straßen New Yorks Jagd er den Ursprüngen einer Szenedroge hinterher. Er hat nichts mehr zu verlieren. Doch die Frage ist nach so vielen Jahren: Lohnt es sich auch heute noch den Cop auf seinem Rachefeldzug zu begleiten? Wir haben uns einmal die Xbox Version angeschaut und erzählen euch, weshalb Max Payne euch heute durchaus noch schmerzen zufügen kann, ein Blick auf den Klassiker sich aber noch immer lohnt.

Noir York City

Max Payne ist New Yorker Polizist und lebt ein gutes Leben. Er hat Frau und Kind und ein Haus in einer ruhigen Nachbarschaft. Als er jedoch nach einem harten Arbeitstag wieder nach Hause kommt, traut er seinen Augen nicht. Seine Familie findet er ermordet wieder, ein paar Verrückte haben sich im Haus breit gemacht. Alles was er hat ist der Buchstabe V. Dieser führt ihn auf die Fährte der Szenedroge Valkyr und somit in eine verzweigte Geschichte, in welcher niemand so ist, wie er vorzugeben scheint. Wo jeder betrügt, nur um wenig später selbst hintergangen zu werden.

Die Geschichte und Inszenierung nimmt sich den Film Noir als Vorbild. So hören wir stets einen Kommentar vom aktuellen Geschehen und wie Max selbst die Dinge sieht. Verschneite, düstere Gassen sind ebenso Schauplatz, wie heruntergekommene Wohnungen oder die Docks. Und überall hinterlässt der Spieler etliche Körper, denn Max hat einen nervösen Zeigefinger – Seine Gegner ebenfalls. Die gesamte Geschichte ist eine Rückblende in der uns Max erzählt wie es soweit kommen konnte. Wir erleben seine Albträume, lernen ihn immer besser kennen. Auch heute überzeugt der Charakter und sein Werdegang. Wer etwas mit düsteren Geschichten und gebrochenen Charakteren anfangen kann, der bekommt mit dem wunderbar geschriebenen Skript tolle Momente geboten. Allein wegen dem Akt der Selbstjustiz war Max Payne daher in Deutschland bis Anfang des Jahres indiziert gewesen.

Bullet Time

Max Payne hat damals nicht nur mit seiner Geschichte überzeugen können. Denn um den Massen von Gegnern Herr zu werden, ist Blei gefragt. Max kann im Verlauf des Spiels verschiedene Waffenarten aufsammeln, die ihn zum Erfolg verhelfen sollen. Verlässt man sich anfangs noch auf die einfache Pistole, so wird man im späteren Spielverlauf beispielsweise die Schrotflinten in engen Fluren oder die schweren Maschinengewehre in leeren Hinterhöfen zu schätzen lernen. Jede Waffe hat spürbar unterschiedliche Attribute und je nach Umgebung ihre Vor-, aber auch Nachteile. Da aber auch Munition limitiert ist, muss man lernen mit allen Waffen umzugehen.

Max ist aber auch nur ein Mensch. Er hat keine sich selbst regenerierende Energie und verträgt nur wenige Schüsse. Um dem ein wenig entgegen zu wirken, sammelt ihr in Badezimmern oder Hausapotheken Painkiller, Schmerzmittel, ein. Insgesamt 8 Stück kann Max gleichzeitig mit sich tragen. Auch diese werden einem nicht ständig in den Weg geworfen, daher ist Vorsicht geboten, wenn man voran kommen möchte. Die Gefechte in einem Raum mit mehreren Gegnern werden dann besonders spannend, wenn man am Limit seiner Lebensenergie ist, keine Painkiller mehr hat und es dann trotzdem irgendwie schafft diesen Wahnsinn zu überleben.

Und damit ihr nicht alle drei Meter den Löffel abgibt, kann man die Zeit für eine gewisse Zeit verlangsamen. Ob im Hechtsprung oder während man die Tür einrennt und einen von Gegnern nur so wimmelnden Raum betritt – Das Bullet Time Feature wird euer bester Freund werden. Hier kommt nur weiter, wer jeden Raum schnellstmöglich durchblickt, die Zeitlupe richtig einsetzt und auf keinen Fall stehen bleibt.

You’ve gotten old, Max

Leider merkt man vor allem der technischen Seite an, wie alt das Spiel doch ist. Die Straßen New Yorks sind leer, die Häuser sind einfache Klötze mit darauf gelegten Texturen und sehen heute nur noch lieblos aus. Die Areale sind teilweise sehr offen und demonstrieren mit ihrer leere im Vergleich zu heutigen Spielen, wie limitiert Spielwelten doch einst waren. Max’ Gesicht wirkt ein wenig unförmig und nicht sonderlich gut modelliert. Die Zwischensequenzen werden in schicken Comic Strips präsentiert, die Sprechblasen sind selbstverständlich alle vertont und das mit gut besetzten englischen Sprechern. Max selbst kann leider nur rennen, was vor allem in den Albtraum Sequenzen zur reinsten Qual wird, denn wenn präzise Sprünge gefordert werden und sich die Spielfigur einfach nicht so genau steuern lässt, ist das alles andere als ein Vergnügen. Daher lautet die Devise: Oft speichern. Anders als in vielen aktuellen Titeln, bietet euch Max Payne noch die Möglichkeit selbst zu speichern und sofort wieder dort einzusteigen. Keine Checkpoints werden gesetzt, wenn ihr das Spiel ladet steht ihr genau da, wo ihr beim speichern auch gestanden habt. Und ihr werdet dankbar sein, für dieses Feature, vor allem wenn ihr auf der Konsole spielt.

Denn das größte Problem ist schlicht und ergreifend die Steuerung. Max selbst lässt sich halbwegs ordentlich steuern, solange man nicht versucht auf einem schmalen Übergang zu laufen. Das zielen selbst ist aber durchaus problematisch. Mit eingeschalteter Zielhilfe hängt ihr zu oft an Gegnern fest, was kontraproduktiv ist. Daher habe ich beispielsweise ohne diese gespielt – so viel einfacher wurde es daher leider auch nicht. Denn das Fadenkreuz, bzw. der Punkt im Spielfenster, der anzeigt wo ihr hinschießt, vergibt euch nichts. Durch eindrücken des Sticks bewegt sich der Punkt zwar schneller, treffsicherer wird man dadurch aber nicht. Oft verballert ihr eure begrenzte Munition weil, der Zielpunkt zu langsam zum Gegner zeigt oder mit eingedrückten Stick zu weit ging. Hier ist viel Übung und Geduld gefragt. Mit etwa 6 Stunden Spielzeit ist der Titel aber nicht allzu lange ausgefallen und weiß dank der Daueraction, seiner Erzählweise und Präsentation über die Laufzeit zu begeistern. Wer die Möglichkeit hat schaut sich am besten die PC Version an. Alle anderen sollten die Konsolen Version evtl. erst einmal zur Probe spielen, sich bei gefallen dann zum Beispiel die PlayStation 2 Version im PlayStation Network für 10€ herunterladen.

Fazit:

Wäre da nicht die schwache Umgebungsgrafik und die Steuerungsprobleme mit den Konsolen Versionen, wäre Max Payne auch heute noch eine volle Kaufempfehlung. So grenzt sich das Spiel selbst ein wenig ein, denn während die technische Seite spürbar veraltet ist, so kann sich die Stimmung, die Geschichte und die Aufmachung jener auch heute noch sehen lassen. Die Xbox Version läuft für Interessierte übrigens auch auf der Xbox 360 und so kann heute wirklich jeder noch einmal in den Genuss dieser Perle kommen. Apple Nutzer können sich die iOS Version einmal anschauen, müssen aber mit noch ausgeprägteren Steuerungsdefiziten rechnen. Ich hatte auch in der heutigen Zeit eine Menge Spaß, aber auch Frust und Spannung mit dem Titel und bin froh ihn mir noch einmal gegeben zu haben. Bleibt mir nur noch eines zu sagen:
Sein Name ist Max Payne. Und sein Name ist Programm.

Retro Review: Max Payne, reviewed by Maurice Jänicke on 2012-05-16T18:00:18+00:00 rating 8.0 out of 10


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