Review: Max Payne 3
Entwickler: Rockstar Vancouver
Publisher: Rockstar Games
Genre: Third-Person Shooter
Plattform: PC, PlayStation 3, Xbox 360
Release: 15.05.2012

Review: Max Payne 3

Unsere Wertung
9.0
Pro: Präzise Steuerung | Fantastische Technik | Viele Spielmodi | Actionspiel in Reinkultur...
Kontra: ... Was Puristen missfallen wird | Der Story fehlt der persönliche Bezug

Nach vielen Jahren meldet sich Max Payne endlich wieder zurück. Sam Lake ist nicht mehr der Autor, Remedy nicht mehr der Entwickler. Max hat sich die Haare abrasiert und auch sonst scheint alles in seinem Leben den Bach hinunter zu gehen. Ein neuer Job in São Paulo soll ihn wieder auf andere Gedanken bringen, doch das Pech scheint ein treuer Begleiter des alten Herrn Payne zu sein. Wie sich Rockstar Games neuster Titel insgesamt schlägt und ob die Erwartungen erfüllt werden konnten, erfahrt ihr hier.

Nimm es nicht persönlich, Max

Nach vielen Jahren, die Max in New Jersey in einer Bar verbracht hat, bekommt er plötzlich ein Job Angebot von einem scheinbar alten Bekannten. In São Paulo für ein paar reiche Leute den Bodyguard spielen – klang doch so einfach. Doch im Leben des Max Payne ist nie etwas so einfach, wie es erst scheinen mag. Sein Arbeitgeber samt Familie wird entführt oder ermordet und nur Max kommt irgendwie immer lebend aus den ganzen Angriffen heraus. Er beschließt die Sache selbst in die Hand zu nehmen und die Peiniger einem nach dem anderen aufzuspüren und auszuschalten.

In Rückblenden erfahren wir, wie Max zu dem Job kam, wie der erste Auftrag aussah oder wieso er nicht mehr in New Jersey bleiben konnte. Leider schafft es die Geschichte nie so ganz zu fesseln, da sie sich nicht mehr so persönlich anfühlt. Musste sich Max im ersten Teil noch mit den Mördern seiner Familie und einer Drogen Verschwörung auseinandersetzen, im zweiten dann seine persönlichen Dämonen überkommen, so ist seine Motivation im dritten Kapitel einfach nur Rache. Rache für seinen Geldgeber, für Leute, die er nicht einmal leiden konnte.

Das soll nicht heißen, dass die Geschichte nicht fesselnd ist. Sie fühlt sich einfach nur anders, und vor allem nicht mehr so persönlich an. Die Zwischensequenzen sind Rockstar typisch toll in Szene gesetzt und überbrücken die Ladezeiten des Spiels. So kommt ein toller Spielfluss auf, da es sich am Ende so anfühlt, als hätte das Spiel überhaupt keine Ladezeiten.

Stirb Langsam – Jetzt erst recht

Die Geschichte ist düster inszeniert und hat nicht vergessen das Noir ein stilgebendes Element der Vorgänger war. Die erdrückende Stimmung, die gnadenlose Gewaltdarstellung und der kaputte Hauptcharakter, der Monologe darüber hält wieso er einfach nicht aus seiner Vergangenheit lernen kann – Es wird ein depressiver Ton angeschlagen, der dadurch unterstützt wird, dass Max einfach nie alle retten kann, egal wie sehr er sich in die Sache steigert.

Und dann sind da die Spielabschnitte. Genau wie in den Vorgängern ballert man sich zu 90% durch die Level, nur selten sind Erkundungstouren angebracht. Die Levelstruktur ist strikt linear mit hin und wieder eingestreuten Hinweisen, die nur aufmerksamen Beobachtern auffallen wird. Die Lebensleiste heilt nur einen Bruchteil selbst, hauptsächlich ist man wie in den Vorgängern auf Painkiller angewiesen. Wird man tödlich angeschossen und hat noch einen der Painkiller auf Lager, so kann man sich noch retten, indem man seinem Peiniger die Kugel verpasst. Schafft man dies, nimmt Max automatisch die Lebensrettenden Schmerzmittel zu sich und liegt nun wieder mit etwas Lebensenergie auf dem Boden. Ein hilfreiches Feature, denn das Spiel ist bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad zum Ende hin die reinste Hölle. Man wird sterben. Oft.

Aber Max ist eben nur schwer unterzukriegen. Gerade wenn er später mit Glatze, Bart und verschwitztem Muscle Shirt durch die Straßen zieht, die Waffen und seperate Munition bereit im Schulterholster, dann kann man nicht abstreiten hier einen wahrhaftigen Actionhelden vor sich zu haben. Er sieht zuweilen sogar aus wie Bruce Willis und das soll nichts schlechtes sein. Wenn man sich in einer Werkstatt gegen mehrere Gegner behaupten kann und dann den verwundeten Max bestaunt mit seinen Muskeln und Bierbauch, dass hat komischerweise etwas. Wer Actionfilme wie Stirb Langsam liebt, wird auch Max Payne 3 lieben. Denn trotz der düsteren Grundstimmung bleibt einem bei den ganzen Setpieces stets das Gefühl eines komplett durchdachten und durchgestylten Actionfilms. Da kämpft man sich dann mal in einer regnerischen Nacht durch die Docks, auf einer Yacht über dem Panamakanal oder in einem teuren Loft von dem aus man auf die ärmeren Bezirke schauen kann.

Wunderschön wäre noch untertrieben

Max Payne 3 ist wohl eines der schönsten Spiele dieser Konsolengeneration. Kein Haus wirkt wie das andere, jeder neue Raum den man betritt ist individuell gestaltet und mit unzähligen Details versehen. Wenn man sich durch einen Neondurchfluteten Club ballert oder in einem Schnellboot durch den Regenwald düst – Alles ist so unglaublich gut ausmodeliert und texturiert, das man manchmal einfach nur stehen bleibt und staunt über das, was diese Konsolengeneration grafisch noch so drauf hat. Hier passt jeder Stein auf den anderen und ergibt ein unglaublich stimmiges Gesamtbild, dass man in Worten nur schwer fassen kann.

Dank der fantastischen Physik macht auch jedes Feuergefecht eine Menge Spaß. Der Anreiz es zu schaffen ist stets gegeben, denn jedes Gefecht sieht anders aus. Wen man zuerst abschießt, wo man hinschießt und wie die Umgebung aufgebaut ist, beeinflusst wie die Gegner zusammen fallen, sich an die Schusswunde greifen und mit schmerzverzerrtem Gesicht hinter eine Deckung ziehen. Es tut fast schon weh zuzuschauen, denn die Animationen gehen durchaus als Lebensecht durch.

Denn was Rockstar Games hier an Animationen gelungen ist, kann sich sehen lassen. Besonders eine Szene wird jedem im Gedächtnis bleiben: Max zieht durch die Straßen und kommt dabei an einem kleinen Fußballplatz vorbei. Dort spielen Kinder Fußball und wer nicht wüsste das hier eine Engine alles vorrechnet würde rein von der grafischen Gewalt und den Animationen meinen können, dort spielen gerade echte Kinder Fußball.

Jede Bewegung geht flüssig in die nächste über. Rennt man in eine Wand, stützt sich Max ab. Bei einem Shootdodge, in welchem Max für einige Sekunden scheinbar die Schwerkraft überwindet und in Zeitlupe die Gegner ins Visier nimmt, kann man schön beobachten wie Max je nach Körperlage in die Knie geht, bevor er den Absprung wagt. Seine Kleidung verzieht sich ebenfalls realistisch und wird auch immer schmutziger und je nachdem wie man sich anstellt auch blutiger. Das Spiel ist zu Recht ab 18 freigegeben, denn hier wird mit Schusswunden und Blut nicht gespart. Vor allem wenn man in Zeitlupe und Killcam den Kugeln zuschaut wie sie auf die Gegner einprasseln und diese dann langsam verblutend zusammen brechen – Ein morbides Vergnügen, dass für Erwachsene gestaltet wurde.

Eines der größten Probleme der Vorgänger war allerdings auch die Steuerung der Konsolenfassungen. Und wer jetzt Bange hat, dass es sich wieder genauso unpräzise wie seine Vorgänger steuert, der kann aufatmen. Obwohl das Fadenkreuz in der Standardeinstellung noch immer nur ein kleiner Punkt im Zentrum des Bildschirms ist, so ist es Rockstar Games gelungen die Präzision eines Ego Shooters in die dritte Person zu bekommen – Der Marketingspruch aus den Trailern war keineswegs zu hoch gegriffen! Bereits nach wenigen Minuten zaubert man einen Kopftreffer nach dem anderen hin – auch mit deaktivierter Zielhilfe. Es fühlt sich einfach richtig an, vor allem wenn man späteren Gegnern, die beispielsweise mit Schutzwesten und Helmen ausgestattet sind, die Helme vom Kopf schießt und ihnen dann die finale Kugel gibt – Geballere aus der Third Person Perspektive hat sich selten besser und befriedigender angefühlt. Auch das eingebaute Deckungsfeature ist im Endeffekt nicht so störend, wie man vielleicht meinen möchte. Die Gegner KI ist intelligent genug den Gegner zu flankieren und den Spieler so in die Offensive zu drängen, denn oft sieht man eher Land, wenn man sich hinaus wagt. Das ist vor allem deswegen hilfreich, da viele der Deckungen je nach Material mal schneller, mal etwas langsamer kaputt gehen.

Abhängen mit der Gang

Hat man die etwa 12 Stunden lange Kampagne abgeschlossen ist das Spiel aber noch lange nicht durch. Höhere Schwierigkeitsgrade laden zum reinen Nervenkitzel ein. Im Arcade Modus ballert man in den einzelnen Level um Punkte. Je präziser die Schüsse und je mehr Kills man hintereinander schafft, desto mehr Punkte gibt es. Im New York Minute Modus versucht man die einzelnen Level in unter einer Minute zu beenden. Auch hier ist jeder Kill wichtig, geben diese doch wertvolle Zeitboni. Hier stehen netterweise alle Kostüme der Kampagne, aber auch Charakterskins der ersten beiden Teile zur Verfügung, wobei der Max aus dem ersten Teil doch einen etwas komischen Gesichtsausdruck hat.

Und wem das noch nicht reicht, der kann sich auch online mit Freunden aus aller Welt bekriegen. Im Online Multiplayer ändert sich eigentlich nicht viel, es wurden sogar die Maps der Kampagne so angepasst, dass sie als Arenen fungieren können. Man ballert sich dann in Teams gegenseitig ab oder macht es ganz klassisch Mann gegen Mann. Aber es gibt auch Missionbasierte Online Modi in welchen die beiden Teams sich in mehreren Runden gegenseitig boykottieren müssen oder versuchen die meisten Drogenpäckchen einzusammeln. Ein kurzzeitiges Bullettime Feature ist ebenfalls enthalten, was alle Mitspieler im Umkreis beeinflusst und sich wunderbar in den Spielfluss einfügt.

Fazit:

Man kann es nicht abstreiten: Max Payne 3 fühlt sich irgendwie anders ans. Modern mit einem Hang zur Klassik. Filmisch und doch einzigartig. Rockstar Games enttäuschen nicht und legen hier einen spannenden Action Streifen zum selbst nacherleben hin, der einen Stundenlang an den Bildschirm fesseln wird. Puristen werden auf jeden Fall einige Probleme mit dem neuen Max haben, denn auch wenn er gebrochener denn je ist, so ist er auch aufregender, wagemutiger geworden. Die Story ist der Knackpunkt an dem sich die Geister scheiden werden. In allen anderen Belangen hat Rockstar Games hier aber ein vollkommen durchgestyltes und auf hochglanz poliertes Spiel abgeliefert, welches allein dank seiner fantastischen und atemberaubenden Grafik und lebensechten Animationen Technik Fetischisten beeindrucken wird. Wer auf gut gemachte Action steht kommt um Max Payne 3 nicht herum.

Review: Max Payne 3, reviewed by Maurice Jänicke on 2012-05-28T18:00:40+00:00 rating 9.0 out of 10

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1 Kommentar

  1. Profilbild von Vertigo
    Vertigo
    28. Mai 2012, 22:17

    Super Test! Sehr ausführlich geschrieben gefällt mir gut!

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