Review: Pandora’s Tower

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Mit Pandora’s Tower ist nun der vermutlich letzte ganz große Wii-Titel erschienen. Ob das Rollenspiel der Wii in unserem Test die Erwartungen erfüllen konnte, erfahrt ihr hier!

Tainted Love

Aeron, seine Geliebte Helena und die Händlerin Mavda müssen von einem Erntefest fliehen und werden von Soldaten verfolgt. Der Grund: Erntekönigin Helena wurde verflucht und verwandelt sich dadurch langsam aber stetig in ein Monster. Nach einer langen und beschwerlichen Reise kommen sie an einem verlassenen Observatorium an. Dieses liegt genau über dem Riss, der die Welt zu zerreißen droht. Zusammengehalten wird sie von 13 Türme, die an Ketten über diesem Abgrund schweben.

Liebe geht durch den Magen

Die weit gereiste Händlerin Mavda erklärt Aeron und Helena, dass nur das Fleisch von Monstern den Fluch brechen kann. Da die beiden Anhänger eine Religion sind, die das Essen von Fleisch nicht gestattet, ist das natürlich perfide. Aeron erklärt sich ohne Umschweife bereit, Monsterfleisch aus den Türmen zu besorgen.

Mavda gibt ihm dafür die magische Oraklos-Kette, mit der er den Monstern ihre Herzen herausreißen kann. Nach einem ersten Ausflug kehr er mit einem Monsterherz zurück. Helena würgt das Fleisch widerwillig hinunter und wird dadurch wieder normal. Das Zeichen des Fluches ist jedoch noch nicht verschwunden. Es stellt sich heraus, dass das Fleisch kleinerer Monster Helena nur kurz Linderung verschafft. Den Fluch brechen kann nur das Fleisch der 13 Herrscher der jeweiligen Türme.

Mit Schwert und Kette bewaffnet begibt sich Aeron auf die Odyssee. Mavda verzaubert die Oraklos-Kette, so dass Aeron jederzeit mit Helena verbunden ist und spürt, wie es um ihren Zustand bestellt ist. Das stellt den Spieler unter Zeitdruck, da der Fluch stetig voranschreitet und man immer auch Zeit für den Rückweg einplanen muss. Im späteren Spielverlauf fällt dieser Druck jedoch weg, wenn man im Besitz einer Fluchtkapsel ist, die einen sofort wieder zum Observatorium zurückbringt.

Als Action-Rollenspiel/-Adventure hat Pandora’s Tower ein angenehm dynamisches Kampfsystem. Schläge müssen gut abgepasst sein, den gegnerischen Attacken sollte man mit einer Rolle ausweichen. Durch die Oraklos-Kette ergeben sich auch Finisher-Moves. Aeron fesselt die Monster und reißt ihnen die noch pulsierenden Herzen aus dem Leib.

Da die Kette auch noch wie ein Lasso benutzt werden kann, lassen sich mit ihr weiter entfernte Plattformen, Gegenstände oder Monster erreichen. Dazu visiert man die entsprechende Stelle mit der Wiimote an, was gut funktioniert.

Auf die Dauer kann das Spiel etwas repetitiv werden, da der Ablauf sich oft wiederholt. Allerdings passen Gameplay und Inhalt hier gut zusammen. Aerons selbst auferlegtes Tagewerk besteht nunmal darin, in die Türme zu gehen, Monster niederzustrecken und mit dem gewonnenen Fleisch wieder zu Helena zurückzukehren. Die Beziehung zwischen Aeron und Helena kann mit Geschenken und Gesprächen verbessert werden, dadurch ergeben sich auch verschiedene Enden des Spieles. Und wenn sich dann allmählich auch immer mehr von der interessanten Geschichte offenbart, motiviert das Spiel trotz mancher Längen.

Da jedem der 13 Türme ein anderes Thema zugeordnet ist, präsentieren sie sich jeweils in einem ganz unterschiedlichen aber stets gelungenen Stil. Beim Soundtrack hat man sich an klassische Stücke von Komponisten wie Verdi und Liszt angelehnt. Neben pompösen Orchesterstücken mit treibendem lateinischen Chorgesang gibt es auch viele ruhige Klavierpassagen.

Tiefgehend und philosophisch

Nintendo und Entwickler Ganbarion zeigen mit Pandora’s Tower, dass es auf der Wii eben doch nicht nur Kiddiespiele und Party-Games, sondern auch Spiele mit tiefgehender und hintergründiger Geschichte gibt. Pandora’s Tower stellt an den Spieler ganz klare Fragen: Wie weit würdest du gehen, um den Menschen zu retten, den du liebst. Würdest du zu einem geliebten Menschen halten, selbst wenn er nicht mehr schön, ja geradezu hässlich ist? Die Entwickler bedienen sich ausgiebig bei der griechischen Mythologie und es ist deshalb kein Zufall, dass die mutierende Geliebte ausgerechnet den Namen Helena trägt. Helena von Troja galt als schönste Frau der Antike und soll letztendlich sogar den berühmten Krieg mit seinen eintausend Schiffen und dem heute noch sprichwörtlichen Trojanischen Pferd ausgelöst haben.

Als Testmuster hat Nintendo uns die Limited Edition zur Verfügung gestellt, die neben dem Spiel auch noch ein schönes Artbook und ein Steelbook, alles enthalten in einer ansprechenden schwarzen Kartonhülle. Wer das Spiel noch nicht besitzt, dem ist die Limited Edition durchaus zu empfehlen.

Fazit:

Pandora’s Tower dürfte der letzte richtig große Titel sein, der noch für die Wii erscheint. Und Pandora’s Tower ist ein gelungener Schwanengesang für Nintendos bislang erfolgreichste Videospielkonsole, die das Medium vollends aus der Nische des Nerd-Krams katapultiert hat. Das Action-Rollenspiel erzählt die Geschichte eines Liebespaares, das in guten wie auch in schlechten Tagen zu einander hält. Es geht um zwei Menschen, die für einander da sind, die sich Sorgen um den anderen machen und bereit sind, für ihn einzustehen. Auch wenn sich das Gameplay auf die Dauer doch wiederholt, kann das Spiel insgesamt überzeugen. Wii-Besitzer sollten sich Pandora’s Tower nicht entgehen lassen, vielleicht ja sogar in der Special Edition. Zusammen mit The Legend of Zelda: Skyward Sword, Xenoblade Chronicles und The Last Story bietet Pandora’s Tower auf die alten Tage der Wii noch mal richtig viel Anreiz, mit Nintendos Konsole in fantastischen Welten mitreißende Abenteuer zu erleben.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

Review: Pandora’s Tower, reviewed by Tim Rozenski on 2012-05-14T08:35:56+00:00 rating 8.0 out of 10


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