Review: The Last Story

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Nach Xenoblade Chronicles ist mit The Last Story nun ein weiteres lang erwartetes Japano-Rollenspiel für Nintendos Wii erschienen. Ob uns die letzte Geschichte in ihren Bann ziehen konnte, erfahrt ihr in unserem Test.

Die letzte Geschichte ist keine finale Fantasie

Ein junger Söldner schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch und wird von der Gesellschaft für seine unfreiwillige Berufswahl verachtet, insgeheim träumt er aber von einer Zukunft als edler Ritter. Eine Prinzessin will ihrem goldenen Käfig entfliehen und endlich auch das echte Leben außerhalb der Palastmauern kennenlernen. Jasmin und Aladdin treffen aufeinander und müssen vor den königlichen Wachen fliehen. Amor schlägt sofort zu und durchbohrt die Flüchtenden mit gut gezielten Liebespfeilen. Dass die beiden natürlich Waisenkinder sind, versteht sich fast von selbst. Prinzessin Zelda wird von Ganondorf entführt, der ehrenwerte Klempner macht sich auf, sie aus den Fängen des Unholdes zu befreieen.

Für ein Spiel, das bereits in seinem Namen ausdrücklich auf seine Geschichte hinweist, bedient The Last Story sehr viele abgedroschene Klischees, die man gerade in Videospielen so schon tausend Mal gesehen hat. Dass der große Bösewicht dann wirklich aussieht wie eine Mischung der beiden Nintendo-Obermotze Ganondorf und Bowser, hilft da auch nicht. Das bedeutet nicht, dass die hier erzählte Geschichte schlecht ist, nur hatte ich persönlich dann doch etwas Originelleres als Aladdin trifft Zelda trifft Mario trifft JRPG erwartet.

Squad-Action mit Magie

Die Kämpfe erinnern durchaus an die von Third-Person-Shootern. Hier wie dort übernimmt man die Führung eines Squad, dass sich in diesem speziellen Fall allerdings aus Magiern und Schwertkämpfern und eben nicht aus Footballspielern mit Knarren zusammensetzt. Oft muss man sich mit Hilfe seiner Armbrust umsehen, um so die Umgebung strategisch nutzen zu können. Im Nahkampf gilt es, die Gegner in die Magiekreise der Mitstreiter zu locken, um die eigenen Attacken zu verstärken. Man kann seiner Truppe auch Befehle erteilen und auswählen, welchen Angriff oder welchen Spruch sie als nächstes benutzen sollen.

Während die normalen Kämpfe durchaus dynamisch und spaßig ablaufen, erweisen sich die Bosskämpfe als langwierig und nervend. Jeder Obermotz möchte mit einem bestimmten Trick erledigt werden. Es ist ja schön und gut, dass die Party-Mitglieder einem entsprechende Tipps geben. Dass sie das gefühlt alle 30 Sekunden immer wieder tun, nervt.

Die Story ist ziemlich linear und mit etwa 20 Stunden gerade für ein JRPG eher kurz. Die Figuren sind interessant und für ein Spiel aus japanischen Gefilden erstaunlich “normal”. Seltsam ist jedoch, dass sie in den Dialogbildschirmen wortwörtlich an einander vorbei reden.

Verblasste Optik, verblassende Akustik

Die Architektur der Stadt, in der sich der Großteil der Handlung abspielt, wurde europäischen Bauwerken im Stile der Gotik nachempfunden. Entsprechend filigran und verschnörkelt kommen die Gebäude daher. Obwohl das alles ziemlich gut aussieht, wirkt die Spielewelt doch sehr grau und farbreduziert.

Die Musik stammt von Nobou Uematsu, einem der besten und bekanntesten Videospielmusikkomponisten überhaupt. Ich persönlich würde mich durchaus als Fan Uematsus bezeichnen. Und gerade als solcher finde ich es schade, dass die Musik ziemlich unauffällig daherkommt und auch nicht im Ohr bleibt.

Fazit:

The Last Story ist für mich persönlich eine Enttäuschung auf hohem Niveau. Vom Dreamteam Hironobu Sakaguchi und Nobuo Uematsu, die gemeinsam die Final-Fantasy-Reihe begründet und groß gemacht haben, habe ich mir einfach mehr erwartet. Die Story ist für ein Spiel, dass sich The Last Story nennt, geradezu banal und stereotyp. Das Kampfsystem ist ok, aber die nervigen Bosskämpfe machen insbesondere dadurch, dass die Mitstreiter ihre Tipps nicht für sich behalten können, auf Dauer keinen Spaß. Nach 20 Stunden hat man die oft grau und blass wirkende Welt hinter sich gelassen. Trotz Großmeister Uematsu ist mir kein einziges Musikstück in Erinnerung geblieben. The Last Story ist ein gutes Japano-RPG, aber noch nicht mal ansatzweise auf einer Stufe mit dem letztjährigen Rollenspielkracher Xenoblade Chronicles, dass das Genre revolutioniert hat. Rollenspielfans sollten sich The Last Story dennoch auf jeden Fall zulegen, denn es erwartet sie ein gutes Spiel – aber auch nicht mehr.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!Review: The Last Story, reviewed by Tim Rozenski on 2012-03-15T19:27:43+00:00 rating 8.0 out of 10


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